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Veröffentlicht am 04.04.2014

Anlässlich des sich morgen zum 20ten Mal jährenden Todestages eines bekannten Musikers, bin ich Schritt für Schritt auf die untenstehende Geschichte gekommen und habe überlegt, was ein Verstorbener wohl noch gerne seiner Familie mitteilen würde, wenn er denn könnte.

Was bringt einen jungen Menschen dazu (er war 27) sich selbst das Leben zu nehmen. So eine tiefe Verzweiflung zu verspüren und keinen anderen Ausweg zu sehen, als sich in dieses tiefe schwarze Loch, dieses große Unbekannte namens Tod zu stürzen. Denn keiner weiß, was kommt und was ihn dort erwartet. 

Niemand, der bereits einige Zeit dort war, kam je zurück und kann darüber berichten, so als hätte er nur einen Ausflug ins Sommercamp gemacht. Und soweit ich weiß, hat auch noch niemand einen Brief von dort mit ersten Eindrücken erhalten.

Trotz des sehr ernsten Themas, ist der Brief lustiger geworden, als ich anfangs dachte:

 

Hallo meine lieben Hinterbliebenen,

nachdem ich letztlich dem richten weißen Lichtstrahl gefolgt bin (der erste war der der Lok, vor die ich gelaufen bin), bin ich wohlbehalten im Himmel angekommen.

Das Wetter ist einfach himmlisch 🙂

Es ist eh viel lustiger hier, als ich gedacht habe. Die Leute spielen sich gegenseitig gerne Streiche. So habe ich schon erste Freunde gefunden, während ich in der Warteschlange vorm Himmelstor stand.

Der ältere Herr, der sich als Petrus vorgestellt hat, hat direkt am Himmelstor angefangen mich zu necken. Er scheint wirklich nett zu sein. Und tierlieb. Was ja meistens auf einen guten Charakter schließen lässt. Auch wenn die Tierart, die er ,vergöttert‘ (hi hi), recht gewöhnungsbedürftig und absolut nicht mein Fall ist.

Ich muss schon sagen, der Big Boss scheint eh sehr tolerant mit seinen Angestellten zu sein. So darf Petrus sein Haustier sogar mit zur Arbeit nehmen und er ist an dessen Anwesenheit gewöhnt. Für ihn war also die Schlange, die sich stets in der Nähe des Tors aufhielt, nichts besonderes.

Sie ist auch sehr gut dressiert und muss intuitiv gespürt haben, wie hungrig ich war. Sie brachte mir einen roten, saftigen Apfel, bei dessen Anblick alleine mir schon das Wasser im Munde zusammen lief. Und ihr beschwörendes ,issss missschhhh‘ machte mich nur für eine Sekunde stutzig. Schließlich bin ich im Himmel, da können sicher alle Tiere reden. Und für den Sprachfehler kann sie schließlich nichts (Diskriminierung hat im Himmel einfach keinen Platz). Und ihr Lispeln war einfach zu putzig. 

Ich habe also genüßlich in den roten Apfel gebissen und vor Verzückung die Augen geschlossen. Und gestöhnt. Laut. Sehr laut. Das Geräusch muss die Schlange erschrecht haben. Denn plötzlich war sie verschwunden. Vielleicht war es aber auch die Hektik, die plötzlich um mich herum ausbrach. In der einen Sekunde starren mich noch alle an, in der anderen stürmen auch schon alle auf mich zu und schreien mir in Sprachen, die ich noch nie zuvor gehört habe, Worte entgegen, die ich nicht verstehe.

Ich hab gar nicht kapiert, was los ist. Alle reden auf mich ein und spucken mir vor die Füße. Komische Begrüßungsfloskeln haben die hier. Ich dachte, was die können, kann ich auch und spucke ihnen ebenfalls entgegen. Leider haben ein paar von ihnen dadurch Bröckchen meines Apfels abbekommen, aber anstatt sauer zu sein, lachten sie irgendwie erleichtet und klopften mir anerkennend auf die Schulter.

Ich glaube mittlerweile, dass es so eine Art Initiationsritual war, um in ihre Gang aufgenommen zu werden.

Wenn wir uns treffen, bin ich zwar der einzige, der zur Begrüßung spuckt, was sie zu verwirren scheint (warum auch immer), aber ich bin nun einer von ihnen.

Wir teilen uns sogar zu siebt ein Zimmer. Das Zimmer ist sehr gemütlich, auch wenn es etwas an Privatsphäre fehlt. Überhaupt ist hier alles recht überfüllt. Muss wohl etwas mit diesem Karma-Quatsch zu tun haben.

Mein Bett ist riesig und die Decken und Kissen ein Traum: Weißer Riese weiß und flauschig – ich bin wie auf Wolken gebettet (ha ha, kleiner Insiderwitz ;))

So, meine Lieben, es wird Zeit fürs Bett. Ich wollte euch nur wissen lassen, dass es mir gutgeht.

Und denkt dran – keiner kommt hier lebend raus 🙂

Alles Liebe

xoxoxoxo