Schweden – Sverige

Veröffentlicht am 22.07.2014

Twenty years from now you will be more disappointed by the things that you didn’t do than by the ones you did do. So throw off the bowlines. Sail away from the safe harbor. Catch the trade winds in your sails. Explore. Dream. Discover. 

In diesem Zitat von Mark Twain liegt sehr viel Wahrheit. Auch ich möchte nicht irgendwann auf dem Sterbebett zurückblicken und bereuen was ich nicht getan habe, obwohl ich die Möglichkeiten dazu hatte. Oder noch jung genug dazu war. Ich will nicht aus Angst heraus auf alles, was mir am Herzen liegt verzichten. 

Manchmal könnte ich vor Verzweiflung einfach laut aufschreien, weil alles mir viel zu langsam geht und die Angst noch immer da ist. Ich wache morgens mit ihr auf, spüre sie tagsüber in meinen Armen und am liebsten würde ich sie mir wie ein Geschwür einfach aus dem Leib reißen. 

Als ich Erna von meinem geplanten Schwedenurlaub im August erzählte, war sie total aus dem Häuschen. Es reisen so viele Menschen, die mit den unterschiedlichsten Ängsten behaftet sind, dass es für Erna und ihre Kollegen einer Betriebsfeier gleicht, wenn sie sich auf den Flughäfen dieser Welt treffen. 

Damit habe ich nicht gerechnet. Ich hatte ihr extra das VHS Programm in die Hand gedrückt, damit sie beschäftigt und von mir abgelenkt ist und hatte ihr von den Studienreisen im Programmheft vorgeschwärmt, mit der Hoffnung, sie für mindestens eine Woche mal loszusein. Konnte ich denn ahnen, dass sie stattdessen neben dem Englisch- auch noch einen Schwedischkurs besucht, um sich auf die spontan gebuchte Studienreise nach Stockholm vorzubereiten?!?! Oder dass sie diese ratzfatz absagte, weil es mit mir sicher viel mehr Spaß macht vor Ort, als mit den Leuten aus ihrem Kurs. Die wären eh alle alt. Nein!! Das konnte ich nicht ahnen. 

Daher habe ich mir überlegt, sie vor Ort quasi ….. zu verlieren. Irgendwie. Uups, da war sie plötzlich weg. Und bis sie zurück nach Deutschland gefunden hat, vergeht sicher einige Zeit, in der ich hoffentlich soweit stabilisiert bin, dass sie mir nichts mehr anhaben kann. 

Aber (es gibt immer ein Aber):

Reste der Angst würden sicher zurückbleiben, winzig kleine Fitzelchen, die man mit bloßem Auge nicht ausmachen kann und sie würden wachsen. Anfangs wäre meine Angst sicher weg, denn ich habe alles entfernt. Aber irgendwann wäre aus den Fitzelchen ein Klümpchen geworden, die Angst käme wieder öfter zum Anschein, aber erstmal nichts besorgniserregendes. Bis aus dem Klümpchen wieder ein Knubbel wird und aus dem ein Geschwür, das sich überall ausbreitet und mich dann wieder mit so einer Wucht überrascht, dass ich nicht weiß, wie ich dies nochmal verkraften soll und ich auch nochmal die Kraft aufbringe mich wieder monatelang aus dem tiefsten Loch zu kämpfen. 

Denn Erna wäre sauer, stinksauer. Und wie viel Kraft sich hinter ihrer zierlichen kleinen Figur steckt, hat sie mir schon mehrmals sehr deutlich gemacht. 

Daher werde ich wohl die nächsten Monate mit ihr auskommen müssen. Geduld haben, weiter an mir arbeiten. Ihr zuhören, denn ohne Grund besucht sie heutzutage niemanden mehr und nistet sich bei ihm ein. 

Also heißt es wohl auf der nächsten Postkarte, die ich an meine Familie sende:

Hallo aus Schweden! Mir geht es gut – Stockholm ist fantastisch! 

Hej från Sverige! Jag mår bra – Stockholm är fantastiskt!

Liebe Grüße an euch!

Hälsningar till dig

Alex (& Erna) 🙂