Ist Glück wirklich Glückssache?

Veröffentlicht am 10.06.2014

Else, aka Erna’s Freundin seit Kindertagen, fühlte sich schon seit langem unwohl in ihrem Job. Es bereitete ihr einfach keine Freude mehr die Menschen über ihre Ängste aufzuklären und somit auch warum sie und Erna in das Leben des- oder derjenigen getreten waren.

Sie hören einfach nicht mehr zu. Denn die Menschen wollen sich ihren Ängsten nicht mehr stellen, sie wollen sie nur schnellstmöglich loswerden und das Wie spielt dabei meist keine Rolle. Egal, ob sie sie mit Arbeit zuschütten, sonstiger Ablenkung oder mit Tabletten. Dabei übersehen sie jedoch, dass man seine Ängste zwar eine zeitlang ignorieren kann, diese denjenigen dann aber irgendwann mit doppelter und dreifacher Kraft einholen. Und wenn man dann nicht vorbereitet ist, trifft einen dies umso härter und hat auch so manchen schon umgehauen.

Else hat mit Engelszungen geredet und versucht ihre Mission zu erklären. Früher haben die Leute ihr zugehört und ihren Rat beherzigt, ihr sogar noch eine Tasse Kaffee und Gebäck angeboten. Nur leider heutzutage haben die meisten schon die Türen und Fenster verbarrikadiert, sobald Erna und sie nur einen Fuß auf das Grundstück gesetzt haben. Und hetzen den Wachhund noch hinter ihnen her.

Als Else also, nach einem rettenden Hechtsprung in eine nahestehende Hecke, trübselig aus eben dieser hinauskroch und sich die Zweige und Blätter aus dem Haarknoten klaubte, hörte sie aus dem Nachbarhaus ein fröhliches Pfeifen.

Zuerst glaubte sie an eine Halluzination. Abgesehen vom Wachhund wirkte diese Siedlung wie ausgestorben. Es fehlte nur noch das trockene Buschwerk, das vom Wind durch die Straßen getrieben wird.

Aber da war es wieder. Diesmal näher. Else spähte um die Hecke herum und erblickte ….. ihren Traummann. Sie hatte schon viel über ihn gelesen, noch mehr von ihm gehört und hätte ihn überall wiedererkannt. Da kniete sie nun auf allen Vieren, mit Blättern im Haar und begegnete IHM. So konnte sie ihm unmöglich vor die Augen treten. Sie kroch ganz langsam rückwärts, zurück in die schützende Hecke, als sie hinter sich ein tiefes Knurren vernahm. Oh oh. Else blickte sich um und sah direkt in das wutverzerrte Antlitz des Wachhundes, dem sie vorhin mit einem beherzten Sprung in die Hecke entkommen war. Ihr Leben rauschte in Sekundenbruchteilen vor ihrem geistigen Auge vorbei und was sie da sah, gefiel ihr ganz und gar nicht. Sie sah sich selbst in trister Kleidung, mit hängenden Schultern und Mundwinkeln neben Erna hertrotten. Wie sie von den Menschen abgewiesen, beleidigt und vertrieben wurden. Sie sah all die hasserfüllten Gesichter derjenigen, die noch die Kraft hatten, Gefühle zu haben und nicht bereits so abgestumpft waren vor Angst, dass sie zu keinem anderen Gefühl mehr fähig waren.

Erna, ihre liebste Freundin weit und breit. Erna, der sie immer alles anvertrauen konnte. Erna würde es verstehen.

,,Gestatten, holde Dame, mein Name ist Hans. Hans im Glück. Und es war wahrlich Euer Glück, dass ich Euch bemerkt habe.“

Else war so in Gedanken versunken gewesen, dass sie gar nicht bemerkt hatte, wie ihr Traummann, alias Hans im Glück, vor sie getreten war. Ungeschickt kam sie auf die Füße, wobei er ihr behutsam zur Hilfe kam. Sie konnte es nicht fassen. ER stand tatsächlich höchstpersönlich vor ihr, hatte sie gerettet und hielt noch immer ihre Hand.

,,Seid Ihr wohlauf, Gnädigste?“

Gut, er redet etwas seltsam, aber ansonsten ist er ein echter Gentleman. Mit tollen Augen. Oh, und wie schön seine Stimme klingt. So tief und samtig.

,,Do you speak english? Parlez-vous francaise? Habla español usted?“

Hach……. Sie lächelte ihn versonnen an. Hätte er nicht Else’s Hand gehalten, wäre sie wohl zu seine Füßen geglitten, so weich waren ihre Knie. Er aber schwang sie sich kurzerhand auf die Arme und trug sie zu seinem Auto. Ein Elektroauto, versteht sich von selbst.

Als er es anließ, tönte Pharrells Happy aus den Lautsprechern, er kurbelte die Fenster herunter und schon brausten sie los. Else fühlte sich wie im Himmel.

Um es kurz zu machen: Else hat seitdem den Job mit der Angst an den Nagel gehängt und ist ihrer wahren Berufung gefolgt. Ein Beruf, der ihrem Naturell entspricht: Sie ist nun Glücksbotin.

Das Sahnehäubchen ist, dass sie nun mit Hans im Glück in wilder Ehe lebt.

Er hat sie gesehen, sich Hals über Kopf in sie verliebt und zu seiner Assistentin gemacht. Sie haben bisher 7 entzückende Kinder. Das Glück dieser Welt ist also für die nächsten Jahre gesichert. Bald werden ihre beiden Ältesten in die Ferne hinausziehen und Glück verbreiten. Zuerst müssen sie aber ihre Ausbildung beenden, denn auch Glück kann man lernen.

To be continued……