Schweinehund in liebevolle Hände abzugeben!
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Schweinehund abzugeben!

16. August 2016

Schweinehund in liebevolle Hände abzugeben

Ich muss sagen – ich bin genervt! Nicht nur, dass Erna mir andauernd auf den Fersen ist – nein – auch Alfred, mein innerer Schweinehund, hat es sich bei mir gemütlich gemacht. 

Und ich möchte wirklich kein Spielverderber sein, aber andauernd mit ihm auf der Couch oder im Bett zu liegen und Toter Mann spielen kann es auf Dauer auch nicht sein. 

Deine Muskeln schrumpfen

Nicht nur, dass du im Bett absolut nichts Neues kennenlernst und deinen schlechten Gedanken hilflos ausgeliefert bist, sondern du wirst auch körperlich immer schwächer. Wusstest Du, dass bereits nach einer Woche Bettruhe deine Muskeln um bis zu 50% abgebaut werden. Nein? Dann halt dir das mal vor Augen. 50%!! Wenn du schonmal länger als eine Woche mit Grippe im Bett gelegen hast, weißt du, wie schwach du dich danach fühlst.

Und leider ist es echt harte Arbeit die Muskeln wieder aufzubauen, denn dies ist leider nicht innerhalb einer Woche wieder getan. 

Gerade bei einer psychischen Erkrankung ist die Verlockung unglaublich groß einfach im Bett liegenzubleiben. In meinem Fall gesellen sich zu Alfred nämlich auch noch Erna, meine Angst und die Depression (ich nenne sie Big D – denn einen richtigen Namen möchte ich ihr nicht geben, da sie schnellstmöglich wieder verschwinden soll).

Erna, Alfred und die Depression (aka die Nervigen Drei)

Und die Depression, die gemeine Schlange, umschlingt dich von hinten mit ihren Armen und säuselt dir ins Ohr, dass eh nichts und niemand draußen auf dich wartet. Und die Angst, bei mir Erna genannt, hockt vor dem Bett und erzählt dir mit bebender Stimme von all den furchtbaren Gefahren, die vor deiner Tür auf dich warten und dich heimsuchen werden, sobald du deine eigenen 4 Wände verlässt. 

Wie ich leider gestehen muss, habe ich mich von den beiden einlullen lassen und die letzten beiden Tage genau das gemacht. Ich bin morgens wachgeworden, hab meine Meerschweinchen versorgt, mein Bett gemacht und hab mich geradewegs ins Wohnzimmer zur Couch bewegt.

Und wäre Alfred nicht so gemütlich hätte er sicherlich ein kleines Siegestänzchen vollführt, da bin ich mir sicher. Dann springt der kleine Mistkerl leichtfüßig (ich hätte nie gedacht, dass ich dieses Wort mal im Zusammenhang mit ihm verwenden würde) auch noch auf die Couch und schmiegt sich an die Depression. Ich muss wohl nicht näher darauf eingehen, dass die Depression und Alfred neuerdings BFF sind. 

Sei immer für eine Überraschung gut

Heute Morgen wähnten die beiden sich schon siegessicher und saßen bereits auf ihrem Stammplatz auf der Couch, als ich mich zu ihnen gesellte und mein morgendliches Müsli aß. Womit die beiden aber nicht gerechnet hatten, war, dass ich direkt danach ruckizucki im Badezimmer verschwand, wo ich gestern Abend heimlich meine fertiggepackte Sporttasche versteckt hatte. Denn ich will sie einfach nicht gewinnen lassen. Ich will einfach nicht!!!

Bevor die Depression auch nur blinzeln konnte, war ich mit Erna schon vor der Tür und im Treppenhaus auf dem Weg nach unten. An Erna’s Anwesenheit habe ich mich ja schon gewöhnt (was nicht heißt, dass ich nicht mehr möchte, dass sie irgendwann wieder auszieht), aber irgendwie muss Alfred sich mit nach draußen geschmuggelt haben, denn er knurrte, jaulte und zog das ganze Register.

Als er dann aber einen Herzinfarkt vortäuschte, hatte ich echt die Nase voll und drohte ihm damit, ein Laufband für zu Hause anzuschaffen, auf dem er dann täglich 5km zurücklegen musste, um sich sein Fressen zu verdienen. Das ließ ihn eine wundersame Blitzgenesung durchlaufen und er war flugs wieder auf den Beinen. 

Vorsichtshalber nahm ich ihn an die Leine und er musste wohl oder übel mit ins Fitness Studio. Du kannst dir nicht vorstellen, wie er sich anstellte, als er merkte, wo es hingeht. Ich musste ihn die letzten Meter zerren und mit dampfenden Pfoten hinter mir herziehen. Ich bin wirklich tierlieb, aber in dem Moment hätte ich ihn am liebsten erwürgt. 

Dreams come true

Rechtzeitig zum SolidXCross Kurs im Studio angekommen, musste Alfred mit in den Kursraum. Er war der einzige Schweinehund dort und fühlte sich so ganz allein auf weiter Flur äußerst unwohl. Er verzog sich auch direkt in eine Ecke, drehte mir beleidigt den Hintern zu und ignorierte mich für den Rest der Stunde. 

Ich hatte noch nie vorher an diesem Kurs teilgenommen und konnte mir auch unter dem Namen nichts vorstellen. Wie sich rausstellte war es ein Kurs, in dem Kraft und Ausdauer gleichermaßen trainiert werden. Ich habe nichts von beidem.

Nach 10 Minuten war ich schon ziemlich fertig, nach 20 Minuten war ich einer Ohnmacht nahe und nach 40 Minuten lag ich rücklings für die Bauchmuskelübungen auf dem Boden und hatte bei jedem Crunch Angst mich gleich auf die Isomatte zu übergeben. Kurzum: Ich gab keine gute Figur ab. 

Erna hatte es sich auf einem Stepper bequem gemacht, kraulte Alfred die Ohren und schaute belustigt zu. Die Bemerkung, dass ihr letzter Erste Hilfe Kurs schon 30 Jahre her sei und sie mich von Alfred wiederbeleben lassen würde, blieb ungesühnt, denn ich hatte einfach keine Kraft mehr, um eine Hantel nach ihr zu schmeißen. 

Natürlich ist das alles nur Alfred’s Schuld. Wäre er nicht so faul (und überzeugend), hätte ich mich in den letzten Monaten nicht so gehenlassen und wäre in eindeutig besserer Verfassung. Jawohl!

Daher will ich den kleinen Scheißer unbedingt loswerden und starte hiermit diesen Aufruf: 

Schweinehund in liebevolle Hände abzugeben!!! 

Solltest du jemanden in deinem Freundeskreis kennen, der sich aus ganzem Herzen einen zweiten Schweinehund wünscht, möchte ich dir Alfred ans Herz legen. Ich lege auch noch eine Monatsration Chappi mit bei, wenn ihr ihn morgen abholen kommt.

Alfred ist geimpft und stubenrein. Er ist ein typischer Schweinehund, d.h. Spontanität und hastige Bewegungen kommen bei ihm nicht so gut an. Es ist schon vorgekommen, dass er mich knurrend zu Räson bringen musste, wenn ich mal wieder schnellen Schrittes zum Bus hastete.

Der neue Besitzer sollte daher eine echte Couchpotato sein, wie sie im Buche steht, und sich eine innige Beziehung zu seinem Schweinehund wünschen. 

Und die Moral von der Geschicht'....

Wenn auch Du eine psychische Erkrankung hast, kennst du die ganzen Sprüche von Außenstehenden zur Genüge: 

  • Lass Dich nicht so hängen
  • Du bist doch nur faul 
  • Jeder hat mal einen schlechten Tag
  • Anderen Leuten geht es viel schlechter als dir
  • bli bla blubb usw. 

Viele von ihnen können und/oder wollen nicht verstehen, dass eine psychische Erkrankung eben jenes ist – eine ernsthafte Krankheit, die schon viele Menschenleben gekostet hat. Dass sie nicht auf den ersten Blick zu erkennen ist, da es keine visuellen Erkennungszeichen gibt, macht uns in ihren Augen noch unglaubwürdiger. 

Ich weiß selbst um die verheerende Kraft der eigenen Gedanken, welch unerbittlicher Gegner Big D oder Erna sind und wenn du dann von Außen auch immer noch auf Unverständnis erfährst, ist es unfassbar schwer aus diesem Teufelskreis wieder rauszukommen.

Du musst den Arsch hochkriegen

Und wie oben schon gesagt, ich will wirklich kein Spielverderber sein, aber wenn du aus dem tiefen Loch, in dem du dich gerade befindest, wieder raus möchtest, dann musst DU etwas dafür tun. Und kein anderer. 

Freunde können dich zwar unterstützen, aber sie sind eben nur Beobachter vom Spielfeldrand aus und können nicht ins Spiel eingreifen. Den Arsch hochkriegen musst du selbst. 

Um Big D, Erna oder Alfred loszuwerden, musst du dich also aufraffen, so schwer es auch fällt. Halt dir vor Augen, dass sich rein gar nichts ändern wird, solange du den Dreien erlaubst dein Leben zu bestimmen. Und willst du wirklich für den Rest deines Lebens so fremdbestimmt sein? Ich für meinen Teil möchte das auf gar keinen Fall, denn es kotzt mich an, dass ich nicht mehr das Sagen habe. 

Werde mein Weggefährte

Lass uns zusammen aus diesem verdammten Loch rauskraxeln!

Jede noch so kleine aber gewonnene Schlacht, ist ein Schritt in Richtung eines selbstbestimmten und lebenswerten Lebens!

2 Kommentare

am Schweinehund abzugeben!.
  1. -

    Hallo Alex,

    ich finde es ganz toll, wie du darum kämpfst, Erna und Alfred loszuwerden.
    Normalerweise mag ich es nicht, in einem Kommentarfeld einen Link von eigenen Beiträgen zu hinterlassen. In deinem Fall möchte ich, eine Ausnahme mache, denn ich möchte dir bei deinem Vorhaben unterstützen.
    Worum geht es?
    Ich habe vor einiger Zeit einen Blogbeitrag über meinen inneren Schweinehund und einem Belohnungssystem, wie ich ihn erfolgreich wieder loswerde, geschrieben. Wenn du magst, kannst du ihn gerne durchlesen und vielleicht ist ja der eine oder andere Tipp für dich dabei.
    http://www.katy-buchholz.de/2015/04/08/der-innere-schweinehund
    Ich wünsche dir viel Erfolg.

    Liebe Grüße
    Katy

    • Alexandra
      -

      Hallo Katy,

      danke für deine liebe Nachricht. Momentan ist es gar nicht so einfach die beiden bzw. drei loszuwerden. Alfred hab ich zwar ganz gut im Griff und ich versuche jeden Tag ins Fitness Studio zu gehen, aber wenn ich das schleifen lasse, hat er direkt wieder die Oberhand.
      Danke für den Link!

      Liebe Grüße
      Alex

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